F5 Crypto Recap - Januar 2022

F5 Crypto Recap – Januar 2022

Ihre übersichtliche Marktzusammenfassung des Vormonats

Der Krypto-Markt hat im Januar weitere Verluste erlitten. Insgesamt hat sich die Marktkapitalisierung aller gelisteten Kryptowährungen um knapp 400 Milliarden Euro verringert, ein Minus von  20% im Vergleich zum Vormonat. Im selben Zeitraum schloss Bitcoin bei 34.287 €, nachdem er zwischenzeitlich den tiefsten Close von 31.211 € erreichte. Dies entspricht einem Kursverlust von 17%. Die zweitgrößte Kryptowährung Ether verzeichnet einen ähnlichen Kursverlauf und hat mit einem Close von 2.395 € insgesamt 27% an Wert im Vergleich zum Dezember verloren.

Die Gründe für den starken Abverkauf sind vielfältig und nicht klar voneinander zu unterscheiden. Den vermutlich größten Einfluss hatte die mit Spannung erwartete Sitzung der US-Notenbank Fed, die eine schrittweise Erhöhung der Leitzinsen angekündigt hat, um den hohen Inflationsraten entgegenzuwirken. Höhere Leitzinsen führen beim Aktien- und inzwischen auch dem Krypto-Markt zu Korrekturen, der starke Kurseinbruch besonders bei Tech-Werten und Kryptowährungen scheint jedoch unverhältnismäßig. Temporär war die Korrelation zwischen dem Krypto-Markt und dem NASDAQ-100, dem US-amerikanischen Index mit Technologiewerten wie Amazon und Meta, besonders hoch.

F5 Crypto Index Performance

Stand Monatsbeginn
11.057,7 Punkte
Stand Monatsende
7.721,7 Punkte
Monatsperformance
-27,49%

Thema des Monats: Privacy Wars – Der Kampf und die Privatsphäre

Der führende Hardware-Wallet-Hersteller Trezor hat auf Druck von Bitcoinern die neue Funktionalität AOPP wieder deaktiviert. AOPP war die Umsetzung einer Vorgabe der Schweizer Finanzaufsicht FINMA an Virtual Asset Service Providers (VASPs), die hauptsächlich Krypto-Börsen trifft. Im Konflikt Privatsphäre gegen staatliche Überwachung geht damit ein kleiner Etappenpunkt auf das Konto der Cypher Punks.

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Tweet von Trezor, einem führenden Krypto-Wallet Anbieter aus Tschechien, der verkündet, AOPP nicht weiter zu unterstützen.

AOPP – Address Ownership Proof Protocol

Das Protokoll, mit dem sich der Besitz einer Bitcoin- oder Ethereum-Adresse einfach, standardisiert und kryptografisch nachweisen lässt, kommt aus der Schweiz. Wenn dort ein Kunde einer Krypto-Börse Kryptowährungen auszahlen möchte, sieht das Gesetz vor, dass das Auszahlungsziel identifiziert wird. Im Falle von Bitcoin und Ethereum kann der Nutzer durch das einfache Nachweisprotokoll belegen, dass er den privaten Schlüssel seiner jeweiligen Adresse tatsächlich besitzt. Dieser Nachweis ist unmöglich zu fälschen, da das AOPP eine kryptografische Signatur erfordert. Um diesen Prozess für Nutzer zu vereinfachen, haben verschiedene Wallet-Anbieter die AOPP-Funktion nahtlos eingebaut.

Privatsphäre durch Pseudonymität

Krypto-Adressen sind wie E-Mail-Adressen pseudonym. Jeder Nutzer kann sich beliebig viele Adressen erstellen; einige Nutzer bleiben anonym, andere verwenden markante Adressen immer wieder. Pseudonyme Nutzerkonten, E-Mail-Konten und auch Krypto-Adressen sind Technologien, welche die Privatsphäre von Nutzern schützen. Viele Online-Communities wären ohne diese Pseudonymität nicht denkbar. Die Pseudonymität hinter Nutzernamen ist ein Eckpfeiler des Internets. In bestem Beispiel ist Bitcoins Erfinder Satoshi Nakamoto bis heute nur unter diesem Pseudonym bekannt.

Das verpflichtende Identifizieren der Person hinter einem Pseudonym grenzt an ein Oxymoron. Daher sehen viele Krypto-Enthusiasten hinter AOPP einen Angriff auf ihr Verständnis von Privatsphäre; ja sogar der gesamten Funktionsweise des Internets.

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Tweet von Sparrow Wallet, einem führenden full-suite Bitcoin-only Wallet. Sparrow verkündete als erstes das Entfernen der AOPP-Funktionalität.

Nachdem die Einbindung des AOPP verschiedener Wallets bekannt wurde, entbrannte auf Twitter eine heiße Debatte. Zuerst kündigte Sparrow Wallet das Entfernen der Funktion an. Kurz darauf folgte einer der führenden Anbieter Trezor, der inzwischen eine Stellungnahme veröffentlichte. Darin bezeichnet Trezor AOPP als Eingriff in die Privatsphäre und als Salamitaktik: Die erste Scheibe auf dem Weg zur kompletten finanziellen Überwachung.

Kunden schweizer Börsen werden vermehrt Probleme haben, ihre Kryptowährungen an ein AOPP-kompatibles Wallet auszuzahlen. Dies wird bei vielen Kleinkunden dazu führen, dass sie ihre Kryptowerte auf den Börsenkonten lagern. Bei Großkunden ist davon auszugehen, dass diese auf Börsen außerhalb der Schweiz ausweichen.

Sicherheit durch Überwachung

Eine Klage gegen Unbekannt verläuft immer im Sand. Rechtsstaaten müssen, um als solche zu gelten, Gesetzesverstöße effektiv ahnden können. Dazu ist die Identitätsfeststellung fast unumgänglich. Aufgrund der finanziellen Komponenten vieler Verbrechen legt die Strafverfolgung vielerlei Wert auf die Überwachung von Geldflüssen. Die immer engeren Riemen der AMLD bekommen viele Finanzdienstleister aber auch Privatpersonen zu spüren.

Unter dem Mantra, wer nichts zu verbergen habe, hätte auch nichts gegen Offenlegung, argumentiert man für die nahtlose Finanzüberwachung. Wenn erst das Bargeld abgeschafft, jede Überweisung zentral erfasst und bei jeder Transaktion automatisch Steuern abgeführt werden, sei die Kriminalität gestoppt. Ganz nach dem karikierten chinesischen Vorbild kann dann der Zugriff auf das Bankkonto direkt an das Strafregister, den Social Score oder den Impfstatus gekoppelt werden.

Die richtige Balance

Die Interessen des Individuums und die Interessen der Gruppe, heute in Form des Rechtsstaats, stehen immer in Konflikt. Die Extrema Anarchie und Totalitarismus sind entschieden zu vermeiden.

Man würde gerne die Kosten, die der Wirtschaft durch immer speziellere KYC/AML-Regeln auferlegt werden, in Relation zur Menge an verhinderten und aufgedeckten Verbrechen sehen. Letzteres ist jedoch naturgemäß nicht messbar.

Die richtige Balance zu finden bleibt eine Aufgabe des Fingerspitzengefühls. Wichtig sind Rückmeldungen der Gesellschaft, wenn Gesetze zu weit gehen.

Ausblick

Ein Thema vieler Hollywood Spielfilme ist der organisierte Untergrund gegen das System. In der Krypto-Welt passt dieses Schema nur zu gut. Einige Krypto-Fanatiker sehen im globalen Finanzsystem eine systematische Unterdrückung und wehren sich dagegen mit Computer Code, den niemand stoppen kann. Konflikte sind im wahrsten Sinne des Wortes vorprogrammiert.

Matrix Hacker
In der Film-Triologie Matrix werden die Menschen unterdrückt und nur eine kleine Gruppe im Untergrund kann sie befreien – durch einen Super-Hacker, nicht Satoshi, sondern Neo.

In der Realität gibt es nicht Gut gegen Böse. Es gibt nur verschiedene Ansichten, auf welche Art man am besten zusammenlebt. Der Umgang mit der Vielzahl an Anwendungen von Krypto stellt Regulierer vor große Herausforderungen. Es benötigt klare Regeln, die schlechte Akteure hindern und gleichzeitig gute Akteure nicht unnötig belasten.

Positionen wie „Wir müssen Kryptos entschlossen verbieten“ als auch „HFSP Nocoiners, Crypto will make you obsolete“ („Viel Spaß beim Verarmen, Krypto-Technologie wird Regierungen ersetzen“) helfen niemandem.

Wir hoffen auf konstruktiven Austausch zwischen vorausschauenden Gesetzgebern und pragmatischen Kryptowährungsexperten.

F5 Erklärt – Web 3.0

Der Begriff Web 3.0 ist in aller Munde und wird als die neueste Entwicklung des Internets beschrieben. Im Gegensatz zu den Vorläufern sei das Web 3.0 dezentral und gebe die Macht über die persönlichen Daten an die Nutzer zurück. Doch wie revolutionär ist dieses Protokoll und wie unterscheidet es sich von Web 1.0 und Web 2.0?

Web 1.0

In der ersten Phase des World Wide Webs ab 1989 wurden Open-Source-Protokolle wie HTTP und SMTP als Grundlage für die Interaktion untereinander festgelegt. Ein Protokoll ist ein Standard, welcher die Kommunikation zwischen mehreren Computern erlaubt. Die allgemeine Verständigung auf spezifische Protokolle ist von großer Bedeutung, da bei der Bereitstellung von Applikationen oder Anwendungen, die die Open-Source-Protokolle nutzen, keine Gebühren anfallen. Dennoch war die erste Phase geprägt von begrenzten Informationen und Möglichkeiten für die Nutzer. So konnten Inhalte nur gelesen, jedoch nicht hinzugefügt werden.

Web 2.0

In der zweiten Phase ab 2003 ist dank der der technologischen Fortschritte in Web-Technologien wie Javascript der Austausch nutzergenerierter Inhalte in den Fokus gerückt. Im Vergleich zum Vorgänger waren die Websites nicht mehr nur lesbar, sondern ermöglichten die Interaktion mit anderen Personen. In dieser Zeit haben Social-Media-Plattformen wie Facebook (Meta) und YouTube ihre Vormachtstellung errungen. Diese Plattform-Unternehmen sind in sich geschlossen, werden zentral gesteuert und unterhalten die Server, die die Nutzerdaten speichern. Das Geschäftsmodell dieser Unternehmen beinhaltet die Verwertung persönlicher Nutzerdaten, die beispielsweise zugeschnittene Werbung ermöglicht.

Web 3.0

Das Web 3.0 stellt das Fundament für eine neue Interaktionsmöglichkeit im World Wide Web dar, die den dezentralen Nachweis des Eigentums in den Mittelpunkt stellt. Ein Aspekt ist die Identitätsebene, die persönliche Daten umfasst. Im Web 2.0 haben Social-Media-Plattformen Nutzerdaten vollumfänglich gesammelt, verwertet und verkauft. Das Web 3.0 steht dem diametral gegenüber; Nutzer besitzen ihre eigene Online-Identität und entscheiden selbst, mit wem sie welche persönlichen Daten teilen wollen.

Ein Beispiel: Angenommen, Sie möchten ein Bankkonto eröffnen. Dafür müssen Sie mind. 18 Jahre alt sein. Wenn Sie Ihren Personalausweis kopieren und einreichen, verraten Sie Dritten weitere Informationen wie Augenfarbe oder Körpergröße, die für den spezifischen Fall nicht anzugeben sind. Im Web 3.0 würde der Bank Ihr Alter bescheinigt, ohne Rückschlüsse auf andere persönliche Daten zu hinterlassen.

Eine Online-Identität kann durch Applikationen wie MetaMask einfach und schnell erstellt und dezentral im Ethereum-Netzwerk gespeichert werden. Es können weitere Ethereum-kompatible Netzwerke oder Dienste wie eine dezentrale Datenablage in Anspruch genommen werden, deren Verifizierung durch den nur dem Nutzer bekannten Private Key erfolgt.

Anmeldeformen in verschiedenen Web Generationen
Anmeldeformen in verschiedenen Web Generationen.
Quelle: Twitter

Die neue demokratische Idee des Web 3.0 bedeutet auch, dass Betreiber und Nutzer eines Netzwerks gleichzeitig Besitzer desselben sind. Ein bekanntes Beispiel ist hierbei das Blockchain-basierte Wertaufbewahrungsmittel Bitcoin, bei dem die Miner für die Absicherung des Netzwerks eine Belohnung in Form der Transaktionsgebühren und der ausgeschütteten Bitcoins erhalten.

Das Web 3.0 ist ein weit gefasster Begriff, dessen Ausprägung viele verschiedene Dimensionen beinhaltet, von denen in diesem Artikel nur zwei, die dezentrale Identität und das dezentrale Geld, behandelt wurden. Weitere Bereiche umfassen dezentrale Monetarisierungs-, Eigentums- und Governancestrukturen, die sich über Decentralized Autonomous Organization (DAO) bilden.

Fazit

Das Web 3.0 verspricht, dass die Kontrolle über Daten jedweder Art wieder an die Nutzer übergeben wird und ein demokratisches Modell der Teilhabe ohne die Kontrolle von Drittparteien den Nutzen für alle Teilnehmer des Netzwerks vergrößert. Besonders das Monetarisierungsmodell hat Potenzial, den Wohlstand zu mehren. Wenn sich Nutzer eines Netzwerks selbst verwalten und in der Lage sind, ihr Einkommen durch Applikationen zu erzielen, ist sowohl dem Einzelnen als auch dem Gemeinwohl geholfen. Dies ist teilweise heute der Fall, wenn Axie Infinity Spieler von den Philippinen mit dem Spiel selbst mehr Geld verdienen als in einer vergleichbaren Tätigkeit im gleichen Alter.
Das Versprechen des Web 3.0 ist groß, vielleicht so groß wie das Internet selbst.

Autoren

Dieser Report wurde konzipiert von unseren Experten und .
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