F5 Crypto Recap – Mai 2021

Ihre übersichtliche Marktzusammenfassung des Vormonats

Was geschah im Mai?

Getreu dem Motto “Sell in May and go away” hätten viele Krypto-Trader sich sicher gewünscht, sie hätten zu Beginn des Monats Teile ihres Krypto-Portfolios auszahlen lassen.
Im Mai unterlag der gesamte Krypto-Markt einem starken Kurseinbruch, der viele Kurse um mehr als 50% von ihren kürzlichen Allzeithochs fallen ließ.

Dabei korrelierte der gesamte Markt stark. Bitcoins Performance von -36% über den Monat resultiert hauptsächlich dadurch, dass der Downtrend auf eine Konsolidierungsphase folgte. Der Preis für einen Ether konnte zu Beginn des Monats Mai noch um 40% auf ein neues Allzeithoch steigen, verlor zwischenzeitlich allerdings ganze 50% und schloss den Monat bei einem Minus von 4%.

Ob es sich bei dem aktuellen Marktgeschehen bloß um eine besonders volatile Kurskorrektur oder das Platzen einer Blase handelt lässt sich diskutieren.

Kurskorrektur durch Long-Squeeze

Fest steht, dass am 19. Mai innerhalb von nur einer Stunde in einer Liquidierungs-Kaskade Positionen in Höhe von mehr als 3,3 Mrd. USD liquidiert wurden. Am Ende des Tages lag der Wert bei ganzen 6,94 Mrd. USD an liquidierten Positionen.

Krypto-Asset Liquidierungen - Mai 2021
Der Chart zeigt die Liquidationssumme aller Kryptowährungen auf allen großen Krypto-Börsen. Quelle: bybt.com

Historischen Daten von Binance zu Folge tradeten in der Vergangenheit mehr als 60% der Privatanleger mit einem Hebel von mehr als 20x.
Ganze 20% nutzten gar einen Hebel von mehr als 100x, was insbesondere im volatilen Kryptomarkt das Investieren einem reinen Glücksspiel gleichmacht.

Es lässt sich argumentieren, dass erneut viele Anleger mit Leverage investierten und dass – für einen gesunden langfristigen Aufwärtstrend – ein Squeeze dieser gehebelten Positionen stattfinden musste.

Platzen der Blase

Unabstreitbar hat der Hype rund um Kryptowährung in den vergangenen Wochen und Monaten neue Dimensionen erreicht.
Insbesondere durch junge Privat- und oft auch Neuinvestoren floss neues Geld in den Markt, oftmals in technisch gar nicht mal so spannende Projekte, wie Dogecoin oder SAFEMOON.

Ähnlich wie 2017 helfen Social Media Kanäle, insbesondere YouTube und TikTok, den Influencern ihre Meinung zu verschiedenen Token und Coins zu verbeiten und Konsumenten zum Investieren anzuregen.

Dabei spielen oftmals fundamentale Eigenschaften, Tokenomics oder reale Anwendungsfälle keine Rolle, es wird rein spekulativ mit diesen Assets gehandelt.

Viele Projekte kommen, ähnlich wie 2017/18, den Erwartungen der Investoren in der Entwicklung nicht hinterher. Preise steigen rasant an, der Entwicklungsstand allerdings nicht.
Diese Diskrepanz resultiert in Kursen, die den eigentlichen Wert eines Projektes nicht mehr realistisch widerspiegeln, sodass das weitere Kaufinteresse nachlässt. Token-Halter verkaufen ins Leere, weil die Nachfrage nicht vorhanden ist und Preise brechen ein.

So nehmen manche Krypto-Assets, wie beispielsweise das Theta-Token, das in den vergangenen Monaten eine beeindruckende Performance hingelegt hat, immer mehr die Züge einer klassischen Wirtschaftsblase nach Dr. Jean-Paul Rodrigue an:

Theta Token - Kursverlauf
Theta Token – Kursverlauf Quelle: CoinMarketCap
Stufen einer Blase als Chart-Diagramm
Stufen einer Blase nach Jean-Paul Rodrigue. Quelle: Wikipedia

Ob sich die aktuelle Marktsituation wirklich über eines der beiden Szenarien – oder eventuell gar einem Mix der beiden – beschreiben lässt, kann zum aktuellen Zeitpunkt nicht klar beantwortet werden.

Nach einem derartigen Kurssturz bieten sich allerdings attraktive Einstiegsmöglichkeiten, für Anleger, die den Markt bislang von der Seitenlinie betrachtet haben, langfristig aber an die Wertschöpfung durch Krypto-Assets glauben.

F5 Crypto Portfolio Performance
Portfoliostand Monatsbeginn 240.384,40 EUR
Portfoliostand Monatsende 180.758,24 EUR
Performance -23%

F5 Erklärt: Das Blockchain Trilemma

Dilemma, Trilemma

Ein Dilemma liegt vor wenn zwei wünschenswerte Dingen sich gegenseitig ausschließen. Wer zum Beispiel abends feiern möchte aber auch morgens gut ausgeschlafen auf der Arbeit erscheinen will steht vor einem Dilemma. Nur eine Options ist erreichbar.

Von einem Trilemma spricht man wenn von drei wünschenswerten Dingen jeweils zwei das dritte ausschließen. Ein lustiges und illustratives Beispiel ist die Toilette, die überspitzt jeweils nur zwei der drei Attribute kostenlos, sauber und öffentlich erreichen kann.

Das Trilemma der kostenlosen, sauberen und öffentlichen Toilette.
Kostenlos und sauber? Nicht öffentlich.
Sauber und öffentlich? Nicht kostenlos.
Öffentlich und kostenlos? Sicherlich nicht sauber!

Die drei Aspekte der Blockchain

Bei Blockchains existiert ein fundamentales Trilemma aus Sicherheit, Skalierbarkeit und Dezentralität.

Sicherheit einer Blockchain bedeutet Resistenz gegen Angriffe wie eine Kontrollübernahme durch wenige wie z.B. 51%-Attack, Spam-Angriffe oder andere Überlastungsangriffe wie DDOS.

Skalierbarkeit einer Blockchain bedeutet eine zügige Verarbeitung von Daten und Transaktionen, egal wie viel Aufkommen herrscht.

Dezentralität einer Blockchain bedeutet kein Nutzer oder Gruppe von Nutzern kann das Netzwerk verändern, stoppen oder andere neue Nutzer davon abhalten teilzunehmen.

Eine private Blockchain kann sicher gegen Angriffe und skalierbar für viele Daten aufgesetzt wegen. Sie ist jedoch nicht dezentral auf viele Parteien verteilt, die Blockchain ist nur an wenigen sicheren Orten gespeichert. Ein Beispiel sind Enterprise Blockchains basierend auf Hyperledger.

Eine skalierbare und dezentrale Blockchain macht Abstriche bei der Sicherheit. Bearbeitet eine Blockchain sehr viele Daten in kurzer Zeit, können die weit verteilten Nodes mangels Kapazität asynchron werden. Hier ist ein Angriff auf Nodes die nicht mithalten können mit Spam Daten oder mit falschen Daten möglich. Ein Beispiel ist die kontroverse Bitcoin-Kopie Bitcoin-SV, dessen Blocks sehr groß werden sollen um zu skalieren. Dabei gerät die Sicherheit des Netzwerks in Gefahr.

Eine dezentrale und sichere Blockchain skaliert nicht gut. Ist eine Blockchain weit verteilt und sicher kann sie nur begrenzt Daten verarbeiten und abspeichern. Beispiele sind Bitcoin und Ethereum. Sie sind weit verbreitet und wurden noch nie erfolgreich angegriffen, operieren jedoch regelmäßig an ihren Kapazitätsgrenzen was die Transaktionskosten in die Höhe treibt.

Auswege aus dem Trilemma

Bitcoiner möchten Bitcoin so sicher und dezentral wie möglich halten. Sie sind vehement gegen Kapazitätserhöhungen der Forks Bitcoin-Cash und Bitcoin-SV. Die Skalierbarkeit soll stattdessen über aufbauende Systeme wie das Lightning Netzwerk, angedockte Systeme wie Liquid und herkömmliche Zahlungsdienstleister wie Paypal erreicht werden.

Ethereum erhöht hingegen regelmäßig die Kapazität über Anhebung des Gas Limit. Ethereum plant mit dem Groß-Projekt ETH 2.0 aus mehreren teilweise synchronisierten mittelgroßen Blockchains ein dezentrales und sicheres Blockchain-Konstrukt mit hoher Kapazität zu haben.

Neue Projekte meinen gern, sie hätten das Trilemma gelöst. Dahinter verbergen sich jedoch oft nur Ideen mit einigen ungelösten Problemen. In der Praxis gilt bis auf weiteres das Blockchain Trilemma der Sicherheit, Skalierbarkeit und Dezentralität.

Als vielversprechenster Ansatz gilt der IOTA Tangle, der kürzlich das erste Mal mit der Version 2.0 vollständig dezentral im Testnetz startete. Ob das Netzwerk allerdings vor diversen Angriffsszenarien sicher bleibt und so stark skaliert, wie von den Entwicklern propagiert, gilt es über die kommenden Monate zu beweisen.

Link des Monats

ETH Gas Station – Empfehlungen für die Höhe der Gebühren für ETH-Transaktionen


Dieser Report wurde konzipiert von unseren Partnern Christian Musanke und Paul Otto.