El Salvador erklärt Bitcoin zur Währung

Ein weiterer Domino fällt: El Salvador erklärt Bitcoin zur Währung

9. Juni 2021: Das kleine zentralamerikanische Land El Salvador erklärt Bitcoin per Gesetz zum Zahlungsmittel. Was bedeutet das für El Salvador, für Bitcoin und für die Zukunft der Finanzwelt?

Gesetzliche Zahlungsmittel

Der moderne Staat nutzt spätestens seit den Griechen und Römern einheitliche Zahlungsmittel. Standardisierte Zahlungsmittel wie geprägte Münzen, gedruckte Scheine oder digitale Bankguthaben bringen der Wirtschaft enorme Effizienzgewinne. Gleichzeitig erlauben Sie dem ausgebenden Staat Kontrolle und Einfluss über alle Nutzer des Zahlungsmittels. Jeder Staat hat also enormes wirtschaftliches und politisches Interesse sein Zahlungsmittel durchzusetzen.

Römische Münze
Römische Münze – Ein abgebildeter Denarius war die höchste Wert-Einheit (1 Denarius = 120 Uncia) bis etwa 30 vor Christus. Später waren der Aureus (1 Aureus = 25 Denarius) und der Solidus (1 Solidus = 1000 Denarius) Zeichen der Inflation.

In Deutschland gelten heute Euro-Banknoten als gesetzliches Zahlungsmittel. Dies bedeutet, Gläubiger unterliegen einem Annahmezwang: Kreditgeber in Deutschland, auch Behörden wie das Finanzamt, müssen jede Zahlungsaufforderung in Euro ausweisen und Euro zur Begleichung akzeptieren.

In den USA gilt äquivalent die Annahmepflicht von US-Dollar für Schulden und Steuern.

In El Salvador mit seinen 7 Millionen Einwohnern wurde 2001 die Lokalwährung Colón durch den US-Dollar als Zahlungsmittel abgelöst. Damit wurde die monetäre Souveränität zur besseren wirtschaftlichen Anbindung an Handelspartner aufgegeben.

El Salvadors neues Gesetz

Auf der Bitcoin Konferenz BTC2021 in Miami konnte ich live die erste öffentliche Aussage des Präsidenten El Salvadors Nayib Bukele mitverfolgen:

Next week I will send to congress a bill that will make Bitcoin a legal tender in El Salvador. – President Bukele

Am 9. Juni 2021 stimmte der Kongress dem Gesetzesvorschlag zu. Er tritt 3 Monate später in Kraft. Ab dann hat das Land zwei gesetzliche Zahlungsmittel: Den US-Dollar und Bitcoin.

Das Gesetz passt auf zwei Seiten. Präsident Bukele veröffentlichte den spanischen und englischen Gesetzestext auf Twitter.

Laut Gesetz müssen Preise und buchhalterische Aufstellungen weiterhin in US-Dollar ausgewiesen werden. Firmen sind jedoch verpflichtet, Bitcoin zu akzeptieren, wenn sie technisch in der Lage sind. Ebenso können Steuern in Bitcoin bezahlt werden. Eine Bankenvereinigung soll Liquidität sicherstellen, sodass Kunden jederzeit Bitcoin und US-Dollar ineinander umtauschen können.

Ein wichtiger Punkt ist die Steuerbefreiung von Gewinnen in Bitcoin. Steigt der Bitcoin vergleichsweise zum Euro oder US-Dollar, müssen auf realisierte Gewinne in Deutschland* und den USA Steuern abgeführt werden. In El Salvador ist das ab sofort nicht mehr der Fall.

*Für Privatpersonen in Deutschland sind Gewinne nur innerhalb der Spekulationsfrist von einem Jahr zu versteuern, danach sind Gewinne steuerfrei

Hoffnung eines kleinen Landes

Ein wesentlicher Anteil, etwa 20%, des Bruttoinlandprodukts El Salvadors basiert auf Remittances: Geldschenkungen unter Familienmitgliedern, wobei der Schenkende im Ausland Geld verdient und der Beschenkte im Heimatland auf das Geld angewiesen ist. Typischerweise schicken Eltern Geld nach Hause an Oma, Opa und Kinder.

Western Union Filiale
Ein kleiner Laden in Ruanda der Teil des Western Union Netzwerkest ist. Personen ohne Bankkonto können hier internationale Geldtransfers tätigen.

Der weltweit größte Abwickler von Remittance Zahlungen ist Western Union (WU). In Filialen von WU kann Bargeld eingezahlt werden, welches bar in jeder anderen Filiale weltweit von Angehörigen oder Freunden abgehoben werden kann. Auf diese Art wird weltweit viel Geld ohne Bankkonten transferiert. Der Haken an der Sache: die Gebühren sind enorm. Die oft 10% bis sogar 50% hohen Gebühren treffen Menschen, für die jeder Cent zählt.

Die Hoffnung ist: Mit Bitcoin werden die Remittances schneller, einfacher und günstiger. Zum Wohle einer sehr großen Bevölkerungsschicht.

Drei weitere erwünschte Effekte sind:

  • Vermögende Privatpersonen wandern wegen vorteilhafter Besteuerung ein
  • Krypto-Firmen siedeln sich durch klar positive Gesetzgebung vor Ort an
  • Durch die mediale Auswirkung werden u.a. Touristen angezogen

Kritiken am Vorgehen

Der Vorstoß des spanischsprachigen Landes ruft auch Kritiker auf den Plan.

Die stichhaltigsten Kritiken sind:

  • Bitcoin ist sehr volatil. Personen und kleine Betriebe leiden unter Schwankungen
  • Die Bevölkerung El Salvadors ist technisch kaum in der Lage Bitcoin zu verwenden
  • Bitcoin, auch Lightning, ist nicht in der Lage, ausreichend Zahlungen abzuwickeln

Dazu kommen die üblichen Kritiken wie zum Beispiel:

  • Bitcoins Mining Mechanismus incentiviert Stromverbrauch und ist daher klimaschädlich

Die politische Lage auf Makro-Ebene ist ebenso angespannt: Das Budget El Salvadors ist auf Kredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) angewiesen. Die meisten Stimmen im IWF halten natürlich die USA. Im Klartext bedeutet das, die USA haben die Macht, staatliche Programme wie Gesundheits- und Sozialwesen des kleinen Landes nachhaltig zu brechen und damit die Führung in die Knie zwingen. Für den Fall, dass die neue Gesetzeslage den USA ein Dorn im Auge ist, sind schwierige Verhandlungen zu erwarten.

Die Zukunft Bitcoins

Wir bei F5 Crypto sehen seit 2018 Kryptowährungen als neue Anlageklasse. Damals haben Banken und Regulierer sie zum Großteil noch als Blase verschrien. Heute kauft bereits die Deutsche Börse ein Krypto-Unternehmen im dreistelligen Millionen Bereich auf.


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Ein Modell zur Verbreitung und Anerkennung von Bitcoin ist das Stufen-Modell. Ganz knapp erklärt: Bitcoin durchläuft sieben Stufen bis zur globaler Weltreservewährung. Die sieben Stufen definieren sich über die größte Anwendergruppe nach Kapital:

  1. Selbstständige Programmierer/Bastler
  2. Illegale Marktplätze
  3. Internationale Zahlungen
  4. Spekulation
  5. Professionelle Investoren & Institutionen
  6. Länder
  7. Zentralbanken

Ich sehe uns aktuell bei voller Ausbreitung der Stufe vier: Spekulanten. Privatpersonen, Hedgefondsmanager und Wagniskapitalgeber spekulieren auf Gewinne in Bitcoin und Krypto.

Mit Tesla, Microstrategy und anderen börsennotierten Unternehmen, die Bitcoin in der Bilanz halten, befindet sich Stufe 5 in der Anfangsphase.

El Salvador ist der Startschuss der sechsten Stufe.

Bitcoin bleibt ein Spekulationsobjekt mit unklarer Zukunft. Sicher ist jedoch, wer keine Bitcoins besitzt, ist short. Short einer sich seit 10 Jahren exponentiell ausbreitenden und im Preis ansteigenden Internet-Technologie.

Fazit

Die Verbreitung von Bitcoin setzt sich weiter fort. Die Gesetzgebung in der Schweiz, in Liechtenstein und nun auch in El Salvador zeigt:

Große Länder gehen kleine Schritte. Kleine Länder gehen große Schritte.

Ob die Auswirkungen des Bitcoin Experiments El Salvadors unterm Strich positiv für das kleine Land sein werden, ist nicht klar. Profitiert das Land jedoch wie erhofft, wird das Modell in den Nachbarstaaten Schule machen. Dann werden immer mehr Dominos immer schneller fallen. Verpassen Sie den Einstieg nicht.

Geschrieben von

Paul ist Managing Partner und Mitbegründer der F5 Crypto Capital. Sein analytischer Verstand ebnete seinen Weg zu einem der erfolgreichsten Online-Pokerspieler. Paul besitzt einen Universitätsabschluss in Mathematik und verfügt über Fachkenntnisse in finanzieller und diskreter Mathematik.

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