Von Null auf Hundert: Marktkapitalisierungen der Kryptowährungen

14. April 2021: Die Marktkapitalisierung von Bitcoin erreicht knapp eine Billion Euro. Ist das viel? Und was verbirgt sich hinter dieser Metrik?

Marktkapitalisierungen im Mainstream

Die Marktkapitalisierung von Bitcoin liegt aktuell bei etwa einer Billion Euro. Das sind 1.000.000.000 Euro. Im Englischen ist auch die Kurzskala gebräuchig und man bezeichnet die Zahl als eine Trillion statt eine Billion. Wie man es nun nennt, die Marktkapitalisierung von Bitcoin ist höher als der Marktwert der größten 9 deutschen börsennotierten Unternehmen zusammen!

Bedeutet das, dass Bitcoin größer als SAP, Volkswagen, Siemens, usw., zusammen ist? Nein! Denn der Vergleich hinkt. Die Marktkapitalisierungen von Unternehmen und Währungen sind auf diese Art nicht vergleichbar.

Das hält jedoch Zeitungen wie die FAZ nicht davon ab diese reißerischen Vergleiche zu ziehen.

Dogecoin war sogar mehr wert als gestandene Dax-Unternehmen wie Adidas und Bayer.

Der amerikanisch Show-Host Bill Maher vergleichte auch den Marketcap von DogeCoin mit Autobauer Ford.

Das gesamte Video ist sehenswert. Bill fährt jede einzelne von Bitcoins Kritik-Stationen in 8 Minuten humorvoll an. Kryptowährungen bieten keine Dienstleistung? Ganz und gar nicht. Sie sind die schnellste, günstigste und sicherste Art der Überweisung, die es gibt. Alle Kritikpunkte sind seit Jahren ausdiskutiert, drei seiner Irrtümer räumten wir schon 2019 aus. Dennoch halten sich negative Argumente hartnäckig in den Diskussionen.

Kommen wir zurück zum Thema der Marktkapitalisierungen. Ich beleuchte wie sich die Marktkapitalisierungen von Unternehmen und Währungen ergeben und warum der Verglich nicht nur hinkt, sondern schon an der Startlinie hängen bleibt.

Marktkapitalisierung eines Unternehmens

Die Marktkapitalisierung eines Unternehmens ist gleich dem zuletzt gehandelten Preis pro Anteil mal Anzahl ausstehender Anteile.

Der Wert eines Unternehmens hängt maßgeblich von drei Komponenten ab:

  • Eigentum des Unternehmens (Assets)
  • Gewinn des Unternehmens (Cashflow, DCF)
  • Risikoloser Zins als Alternative (Leitzinsen)

Besitzt ein Unternehmen zum Beispiel Fabriken, Bareinlagen und Patente, so sind diese Assets Teil des Unternehmenswertes.

Generiert ein Unternehmen Gewinne, oder genauer, geht der Markt davon aus, ein Unternehmen wird in der Zukunft Gewinne erwirtschaften, so bestimmt diese Projektion den Marktwert. Die erwarteten Unternehmensgewinne müssen dabei immer im Bezug zur Baseline, der “gratis Gewinne”, also dem risikolosen Zins der Zentralbank, gesehen werden.

Beispiel: Rohstoffabbau-Unternehmen
Erzeugen oft wenig Gewinn; der Wert des Unternehmens basiert hauptsächlich auf Assets wie Nutzungsrechten für Land, Equipment und Know-How.

Beispiel: Online-Unternehmen
Haben oft wenig Assets; der Wert des Unternehmens basiert hauptsächlich auf monatlichen Zahlungen der Nutzer sowie der Nutzerzahlen-Projektion in der Zukunft.

Links: Rohstoff-Abbau mit teuren Maschinen. Rechts: Software mit “wertlosem” Code.

Der Wert eines Unternehmens hängt also von den Assets und den Gewinnen ab. Wie Bill Maher korrekt meinte “Apple sells $1000 Smartphones”.

Marktkapitalisierung einer Währung

Die Marktkapitalisierung einer Währung ist gleich dem zuletzt gehandelten Preis pro Währungseinheit mal Anzahl ausstehender Einheiten.

Der Wert einer Währung hängt von zwei wesentlichen Komponenten ab:

  • Wirtschaft, die Güter und Dienstleistungen, die in der Währung abgewickelt werden
  • Lagerung der Währung als Reserve

Wickelt eine Währung viel Zahlungsverkehr ab, wie z.B. der US-Dollar den internationalen Handel, ist ihre Marktkapitalisierung entsprechend hoch. Die Währungen kleiner Länder, die weniger Wirtschaftsleistung abbilden, sind entsprechend kleiner.

Wird eine Währung viel als Reserve gelagert, wie die Reservewährungen USD, EUR und RMB, ist ihr Marktwert entsprechend hoch. U.a. durch die Petro-Dollar Vereinbarungen halten viele Staaten Reserven in USD, was zur dominanten Marktkapitalisierung des USD beiträgt.

Die Eignung als Reserve hängt dabei maßgeblich vom erwarteten Anstieg der Geldmenge einer Währung ab. Zentralbanken wie die FED und EZB kontrollieren die Geldmenge so, dass viele Marktakteure die Währungen als sichere Reserven ansehen. Anders sieht es aus bei volatileren Regimen, wie z.B. aktuell beim venezolanischen Bolívar. Die Geldmenge des Bolívar steigt stark an (Währungsinflation). Dieser Trend wird sich wohl fortsetzen. Daher wird der Bolívar kaum als Reserve genutzt; seine Marktkapitalisierung ist klein.

Beim Bitcoin speziell ist die abgewickelte Wirtschaftsleistung gering. Besonders Kritiker betonen gern, dass Bitcoin sehr wenige Zahlungen abwickelt. Die Marktkapitalisierung des Bitcoin ist dennoch hoch, da sich Bitcoin exzellent als Reserve eignet. Die Geldmenge des Bitcoin ist im Gegensatz zu allen staatlichen Währung festgesetzt, sie kann auch in politischen Extremsituationen nicht aufgeweicht werden.

Da Bitcoin die härteste je existente Währung ist, hat sie das Potential sich zur global präferierten Reservewährung zu entwickeln.

Der Wert einer Währung hängt also zum einen von der abgewickelten Wirtschaftsleistung, zum anderen aber auch von der Verwendung als Reserve ab.

Marktkapitalisierungen von Unternehmen und Währung vergleichen

Die Marktkapitalisierung eines Unternehmens und einer Währung berechnen sich auf gleiche Weise: Anzahl der ausstehenden Einheiten mal Preis pro Einheit. Daher scheint ein Vergleich oberflächlich sinnvoll.

Leider entpuppt er sich aber als das komplette Gegenteil: Er ist sinnlos.

Ein Unternehmenswert basiert auf Assets und Gewinnen. Ein Währungswert basiert auf Nutzung als Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel. Diese beiden Bewertungsmethoden sind fundamental unterschiedlich.

Ähnlich, wie man auf der Autobahn zwischen 100 und 200 km/h fährt, und die beim Niesen ausgestoßene Luft eine Geschwindigkeit von 100 bis 200 km/h erreicht: Die Zahlen werden auf die gleiche Art berechnet. Man kann die Zahlen vergleichen. Sinnvoll ist es jedoch nicht zu behaupten ein Mensch niese schneller als ein Porsche fährt. Wobei so eine Headline sicherlich oft geklickt werden würde.

Fazit

Es ist wie so oft in der Krypto-Welt: Die von Bill Maher bezeichneten “Nerds” verstehen die Welt schon lange viel besser als der Mainstream.

Der Krypto-Experte und ITinance Gründer Hagen Hübel monierte schon 2017

“Da es bei Coins keinen KGV gibt, ist die Marktkapitalisierung ziemlich sinnlos, da sie [im Gegensatz zu Firmen] überhaupt keine Aussagekraft hat.”

Sie denken, sie hätten den Krypto-Zug verpasst? Noch ist Zeit, dem Mainstream einen Schritt voraus zu sein!



Written by

Paul ist Managing Partner und Mitbegründer der F5 Crypto Capital. Sein analytischer Verstand ebnete seinen Weg zu einem der erfolgreichsten Online-Pokerspieler. Paul besitzt einen Universitätsabschluss in Mathematik und verfügt über Fachkenntnisse in finanzieller und diskreter Mathematik.

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